
Bürgermeister Gregor Sommer (Mitte) und die Fraktionschefs im Wehrheimer Parlament sprachen sich bei der Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl entschieden für das Projekt "Wehrheimer Mitte" aus.
Das Projekt "Wehrheimer Mitte" war Hauptthema bei der Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl am 9. September, bei der der amtierende Rathauschef Gregor Sommer als einziger Kandidat antritt. Die Gemeinde darf sich finanziell nicht übernehmen, es muss mit Bedacht geplant werden, und sie muss gut vermarktet werden, die Wehrheimer Mitte. In diesen drei Punkten sind sich Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) sowie die Fraktionschefs Uwe Engeland (CDU), Kuno Leist (SPD), Dirk Sitzmann (Grüne) und Harald Stenger (FDP) einig.
Das geplante Groß-Projekt, das derzeit mit zwölf Millionen Euro veranschlagt ist, beschäftigte die Teilnehmer auf der von Redakteurin Stefanie Heil moderierten Podiumsdiskussion der Taunus Zeitung zur Bürgermeisterwahl am Dienstagabend im Wehrheimer Bürgerhaus intensiv – und auch die Bürger.
Die Mitte braucht die Verwaltung und einen weiteren großen Ankermieter, auch darin herrschte Einigkeit in der Runde. Sie darf allerdings nicht zu groß werden, und sie muss sich in das Ortsbild einfügen, wie Stenger meinte, der zudem gerne auf ein kulturelles Angebot in dem neuen Zentrum verzichten würde. „Denn dann wird das Bürgerhaus nicht mehr genutzt.“ Dies sieht Sitzmann anders. Die Mitte müsse ein Ort der Begegnung werden und nicht nur Geschäfte und Wohnungen beherbergen. Wert legte der Kommunalpolitiker aber vor allem darauf, dass auf Wirtschaftlichkeit geachtet wird. Trotzdem: „Wir machen zwar zwölf Millionen Euro Schulden, aber das Projekt ist es wert.“ Auch Leist ist es wichtig, dass am Ende eine schwarze Null rauskommt. „Eine wirtschaftliche Lösung ist das Ziel“, meinte der Sozialdemokrat, „und wir sind kritische Wegbegleiter.“ Engeland wiederum („Wir stehen voll hinter der Planung“) verwies darauf, dass auch ein neues Rathaus eine Menge kosten würde.
Er habe so manche Nacht nicht gut geschlafen, als die Gemeinde das letzte Grundstück gekauft hatte, gab Bürgermeister Sommer zu. „Das ist eine riesige Herausforderung.“ Er wolle, dass aus der Mitte ein Einkaufs- und Kommunikationszentrum werde, die Gestaltungssatzung von Alt-Wehrheim müsse beachtet werden, und auch das Energiekonzept müsse stimmen. Aber bei allem sei die Vermarktung das A und O. Der Rathauschef kündigte für Mitte September eine Broschüre an: Mit ihr sollten Interessenten gesucht werden, sowohl für die Geschäfte als auch für die Wohnungen.
Doch wie soll das Mammutprojekt finanziert werden, muss die Gemeinde künftig bei sozialen Leistungen kürzen, fragte Stefanie Heil. Sommer verwies auf Kredite und Förderprogramme und er versprach, dass das alte Rathaus nicht veräußert wird. Vielmehr könne dies als Standesamt dienen sowie von der Bücherei, den Vereinen und dem Treff 50plus genutzt werden.
Kleinklein oder Großgroß – wie soll sie werden, die Mitte? Diese Frage brachte Oscar Müller (CDU), ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter, ins Spiel. „Wir müssen etwas schaffen, damit wir stolz sein können“, meinte der Wehrheimer Bürger. Dem stimmte Gregor Sommer zu und erzählte von dem Ort Biebertal. Dort habe man Kleinklein gemacht, und nun sei nach neun Jahren immer noch ein Grundstück unbebaut. „Wir brauchen deshalb ein Gesamtkonzept.“
Das ist auch dem Grünen Sitzmann wichtig. Ihm gehe die Entwicklung derzeit zu schnell. Die vorgelegten Zahlen seien nicht nachvollziehbar, und die Sache sei „nicht rund“. Er müsse die Entscheidung verantworten können und wolle der nächsten Generation nicht einen Haufen Schulden hinterlassen. Ein „Hauruck-Verfahren“ kommt auch für den Christdemokraten Engeland nicht in Frage: „Wir müssen schnell und gründlich sein, dann stimmt das Konzept.“ Stenger warnte vor Leerständen, nannte das Feldbergcenter in Neu-Anspach als Negativbeispiel und plädierte für ein maßvolles Projekt.
Das war auch Veranstaltungsbesucher Wolfgang Schmitz wichtig. „Wie wollen Sie Leerstände vermeiden, und welche Branchen haben bereits Interesse bekundet?“, fragte er Bürgermeister Sommer. Ärzte, Physiotherapeuten, eine Bank und ein Textilgeschäft seien im Gespräch, informierte der CDU-Politiker. Aber: „Die Werbeoffensive startet erst in vier bis sechs Wochen.“ Er wolle dafür sorgen, dass Interessenten Optionen unterzeichneten und so das Restrisiko minimierten.
Bedenken, mitten im Wohngebiet eine Freilichtbühne zu bauen und damit Klagen herauszufordern, hatte Jürgen Kobus. „Es kann immer zu Konflikten kommen“, antwortete Sommer. Man könne die Mieter schließlich nicht verpflichten, auf Klagen zu verzichten. Und eine Eisdiele müsse in die Mitte kommen. „Dann herrscht reger Eisverkehr.“
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Usinger Neuen Presse / Taunus Zeitung, Tageszeitung für den Hochtaunuskreis
